Mehrtagestour Tirol: Vom Inntal ins Stubaital mit dem MTB

Ein lang gehegter Plan wurde wahr: Wir starten eine Mehrtagestour durch Tirol mit dem Mountainbike und befahren dabei einige der schönsten Alpenübergänge. In vier Tagen fahren wir vom Startpunkt Weer im Inntal über das Geiseljoch ins Tuxertal, dann übers Tuxerjoch ins Schmirntal, weiter ins Stubaital und schließlich übers Seejöchl wieder zurück ins Inntal nach Kematen.

"Vier Tage durch Tirol kommen einem Mini-Alpencross gleich - wunderbare Strecke, super Trails, tolle Landschaft."

Mini-Alpencross durch Tirol

Dieser Tirol-Cross hat schon etwas Alpencross-Charakter. Mit dem Geiseljoch und dem Tuxerjoch überqueren wir zwei klassische Übergänge, die jährlich von Tausenden von Alpencrossern unter die Gummistollen genommen werden. Das Seejöchl wiederum hat einen klingenden Namen in Innsbrucker Bikerkreisen und gilt als eine der schönsten hochalpinen Bike-Touren in der Gegend. Der Trail vom Seejöchl zur Adolf-Pichler-Hütte verspricht Herausforderung und Genuss im Schatten der Kalkkögel, auch bekannt als Nordtiroler Dolomiten.

Daten zur Tour

Die Mehrtagestour durch Tirol wurde im Mountainbike-Magazin vorgestellt. Die genauen Beschreibungen der Etappen sind dort zu finden, ebenso die gpx-Tracks.

ZUM DOWNLOAD GPX-TRACKS >

Weer – Geiseljoch – Vorderlanersbach

29 km
1.770 hm

ZUR ETAPPE 1 >

Vorderlanersbach/Madseit – Tuxerjoch – St. Jodok

30 km
1.266 hm

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St. Jodok/Steinach – Blaserhütte – Mieders

44 km
2.200 hm

ZUR ETAPPE 3 >

Mieders/Fulpmes – Seejöchl – Kematen

39 km
1.800

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Mehrtagestour Tirol: 5 Jöcher in vier Tagen

Tirol Cross Tag 1: Weer – Weerberg – Geiseljoch – Tux

Wir sind mit dem Zug von Imst nach Weer gereist. Am Bahnhof Terfens-Weer spuckt uns die Regionalbahn aus und es geht los. Das erste Ziel für heute heißt Geiseljoch, der Übergang ins Tuxertal. Die erste Kaffeepause des Tages winkt beim Gasthof Innerst. Dorthin gelangt man entweder über Kolsassberg oder, wie von den Autoren der Originalroute vorgeschlagen, über Weerberg. Die Routenführung ist hier durchaus spannend. Es geht sofort sehr steil über den sogenannten Kuntenweg hinauf bis man im Weiler Kranzach auf die normale Fahrstraße nach Weerberg trifft. Wer sich früh am Morgen seine Körner sparen möchte, nimmt besser von Beginn an die normale Fahrstraße und kurbelt gemütlich in angenehmer Steigung und vorbei an saftigen Feldern zum Gasthof Innerst.

Auffahrt über Weerberg, Blick zurück nach Innsbruck auf die Nordkette
Auffahrt über Weerberg, Blick zurück nach Innsbruck auf die Nordkette
Die Weidener Hütte
Die Weidener Hütte
Auffahrt zum Geiseljoch
Auffahrt zum Geiseljoch

Frisch gestärkt führt der Weg weiter vom Gasthof Innerst über den Nafingweg (MTB-Route 403) nach Süden. Nach einer guten Stunde erreichen wir die Weidener Hütte, die wir jedoch links liegen lassen und weiter gen Geiseljoch treten. Der Karrenweg nach der Weidener Hütte geht erst spät in einen breiten Trail über, welcher dennoch zur Gänze bergauf zu befahren ist. So gelangt man vollständig im Sattel sitzend bis zum Joch auf knapp 2.300 Meter. Kein Wunder, dass dieser Übergang so beliebt ist bei Alpencrossern.

Die letzten Meter vor dem Geiseljoch – Fahrbar, wenn man kräftig reintritt 🙂
Die letzten Meter vor dem Geiseljoch – Fahrbar, wenn man kräftig reintritt

Vom Geiseljoch führt der Weg 424 in Richtung Lanersbach. Dieser Weg ist eher ein grober Karrenweg und kein Trail. Der Wanderweg 315 ist hingegen nicht zu empfehlen. Sehr grob und verblockt kommt wenig Fahrspaß auf. Durchaus zu empfehlen ist hingegen der Geislerhof. Beim Parkplatz zweigt die Straße zu dem netten Ausflugsgasthaus ab und nach 5 Minuten hat man es erreicht. Die gute Küche und der schöne Ausblick auf den Tuxer Hauptkamm sind ein perfekter Ausklang der ersten Etappe.

Einkehr im Geislerhof
Einkehr im Geislerhof

Übernachtungs-Tipp: Restaurant-Pension „Zum Sepp“ in Madseit. Ein paar Kilometer hinter Lanersbach Richtung Hintertux liegt der Ortsteil Madseit. Direkt an der Hauptstraße befindet sich das Restaurant „Zum Sepp“ von Sepp & Christl Mattersdorfer. Dort übernachtet man günstig (ca. 40 Euro mit Frühstück) und kann sich Abend an der ausgezeichneten Küche des Restaurants laben. Toll war, dass sogar unsere Wäsche für uns gewaschen wurde – sehr bikerfreundlich!

Tag 2: Tux – Tuxerjoch – Kasern – Schmirntal – Steinach

Nach einem herzhaften Frühstück verabschieden wir uns vom „Sepp“ in Madseit und kurbeln auf der Tuxer Landesstraße taleinwärts. Kurz vor Hintertux zweigt rechts der gut beschilderte Mountainbikeweg Nr. 426 zum Tuxerjoch ab. Zunächst geht es mäßig steil über die Bichlalm, dann über steilere Rampen zur Sommerbergalm. Neben zahlreichen Wanderern machen wir uns an den beschwerlichen letzten Anstieg zum Tuxerjochhaus. Kurz aber schmerzhaft ist die passende Bezeichnung für die Schinderei über steile Schotterrampen, bei denen nur die wenigsten im Sattel bleiben. Wer Körner für den Downhill nach Kasern sparen will, schiebt lieber gelegentlich und schaut den Murmeltieren bei ihren Spielereien zu.

Tirol Cross Tag 2 der Mehrtagestour Tirol führt uns über den nächsten Alpencross-Klassiker. Das Tuxerjoch bildet den Übergang vom Tuxertal ins Schmirn- und später ins Wipptal und weist sowohl in der Auffahrt als auch in der Abfahrt einen anspruchsvollen Charakter auf.

Kartentipp:
Zillertaler Alpen & Tuxer Alpen >

Blick zur Bichlalm
Blick zur Bichlalm
Anstieg zum Tuxerjochhaus
Anstieg zum Tuxerjochhaus
Das Tuxerjochhaus
Das Tuxerjochhaus
Blick vom Tuxerjochhaus auf den Hintertuxer Gletscher
Blick vom Tuxerjochhaus auf den Hintertuxer Gletscher

Vom Tuxerjochhaus ist man gleich am Tuxerjoch auf (2.338 Meter). Nun beginnt ein knackiger Singletrail über 600 Tiefenmeter bis ins idyllische Bergdorf Kasern. Dieser Trail ist durchwegs anspruchsvoll und hat meist Schwierigkeit S3 mit allem, was das Herz begehrt: Grobe Felsbrocken, Stufen, loses Geröll, Spitzkehren, ausgewaschene Rinnen – ein Wandersteig halt :). Besonders im letzten Teil durch den Wald wird’s nochmal heftig und S4-Stellen zwingen wohl die meisten Normalsterblichen zum Absteigen. Wer fahrtechnisch einigermaßen gut drauf ist und mit S3 kein Problem hat, kann insgesamt viel fahren auf dieser Abfahrt und wird seine Freude haben. Aufpassen heißt es jedoch auf Mensch und Material, denn das grobe Geläuf kann schnell zu Stürzen oder Defekten führen.

Ruppiger Singletrail vom Tuxerjoch
Ruppiger Singletrail vom Tuxerjoch
Singletrail Tuxerjoch
Singletrail Tuxerjoch

Der letzte Abschnitt der Etappe führt über Kasern und Schmirn (Einkehrtipp: Gasthof Olpererblick) nach St. Jodok am Brenner. Wir sind noch ein Stück weiter nach Steinach gefahren, da sich hier mehr Übernachtungsmöglichkeiten befinden und auch Bike-Shops zur Verfügung stehen.

Kurz vor Kasern
Kurz vor Kasern

Übernachten: Wir übernachteten im Hotel Post in Steinach direkt an der Hauptstraße. Ein einfaches, aber sauberes Hotel. Das Frühstück war in Ordnung. Wir konnten die Räder im Stadl hinter dem Hotel abstellen.

Tag 3: Steinach – Eggerjoch – Trins – Blaserhütte – Maria Waldrast – Fulpmes

An Tirol Cross Tag 3 wartet die längste Etappe der Tour mit rund 2.200 Höhenmetern. Von Steinach aus fährt man auf der MTB-Route Nr. 528 über Außernösslach nach Nösslach, lässt die Nösslachhütte rechts liegen und trifft auf der Route 529 schließlich auf den Abzweig, der rechter Hand den Weg zum Egger Joch weist. Faszinierend sind die Egger Mähder, eine Hochalm, wo bis auf eine Seehöhe von über 2.000 Meter die Felder bis heute gemäht werden. Das Ergebnis ist eine einzigartig gepflegte Kulturlandschaft, die vom Blick auf die mächtigen Gipfel der Tribulaune gekrönt wird. Der Karrenweg ist bis auf’s Egger Joch durchgehend fahrbar. 

Die Egger Mähder
Die Egger Mähder
Abfahrt vom Egger Joch
Abfahrt vom Egger Joch

Danach folgt ein genüsslicher, kurzer Trail (S1), der in einen Fahrweg mündet. Nach kurzer Zeit erreichen wir Trunahütte. Tipp: Leckerer Kaiserschmarrn :). Der darauffolgende Anstieg von Trins zur Blaserhütte hat es in sich. Nicht unbedingt wegen seiner Steilheit. Diese ist, bis auf das letzte Stück, durchwegs moderat. Die vorherigen 1.100 Höhenmeter aufs Egger Joch machen sich aber bemerkbar. Die Blaserhütte selbst liegt auf einem erstaunlich großen Plateau und begeistert mit einem fantastischen Blick auf die Serles.

Kaiserschmarrn auf der Trunahütte
Kaiserschmarrn auf der Trunahütte

Der anschließend Trail (S2, teilweise S3) hinab nach Maria Waldrast ist herausragend. Mit richtig viel Flow geht es dahin, wobei einige Spitzkehren die Kurvenkünstler fordern. Wer hier das Versetzen des Hinterrads beherrscht, hat sicher Vorteile :). Anschließend folgt noch ein kurzer Anstieg zum Kloster Maria Waldrast, wo man seine leeren Tanks unbedingt mit heiligem Quellwasser auffüllen sollte. Dann sind auch die letzten hundert Höhenmeter kein Problem, bevor es über einige spaßige Trails, zum Beispiel hinter dem Gasthof Sonnenstein, nach Fulpmes geht.

Blaserhütte mit Serles
Blaserhütte mit Serles

Impressionen vom Blaser Singletrail:

Übernachtungs-TippPension Gletscherblick in Fulpmes. Einfache Pension mit sauberen Zimmern und netter Gastgeberin. Die Räder können im Skiraum deponiert werden.

Restaurant-Tipp: Die Huislerstube in Fulpmes. Leckeres Essen mit schöner Terrasse.

Tag 4: Fulpmes – Bruggeralm – Galtalm – Kaserstattalm – Starkenburger Hütte – Seejöchl – Adolf-Pichler-Hütte – Kemater Alm – Kematen

Ein echtes Highlight zum Abschluss Tirol Cross Tag 4. Der Übergang übers Seejöchl im Schatten der Kalkkögel und die anschließende Abfahrt zur Adolf-Pichler-Hütte gilt als bekannte Traumtour der Innsbrucker Mountainbiker. Zuvor stellen sich uns jedoch saftige 1.600 Höhenmeter am Stück entgegen.

Kartentipps:
Innsbruck & Umgebung >
Stubai >

Von Fulpmes geht es gleich steil bergauf zur Bruggeralm. Noch steiler wird’s danach. Der Karrenweg bis zur Galtalm hat es in sich. Spätestens jetzt ist man aufgewärmt und nutzt die urige Galtalm zum ersten willkommenen Zwischenstopp.

Die urige Galtalm
Die urige Galtalm

Weiter geht’s vorbei an der Knappenhütte, die an die Bergbauvergangenheit in diesem Gebiet erinnert, über die Kaserstattalm bis wir endlich auf 2.237 Metern die Starkenburger Hütte erreichen.

Starkenburger Hütte im Stubaital
Starkenburger Hütte im Stubaital
Blick auf die Tragepassage zum Seejöchl
Blick auf die Tragepassage zum Seejöchl

Hier wird schon der letzte Anstieg sichtbar, der uns zunächst unterhalb des Schlicker Schartls vorbei bis zum Seejöchl führt. Vorerst aber heißt es Jausenzeit auf der Berghütte und den Ausblick von der Terrasse auf die Stubaier Gletscher genießen. Die Tragepassage zum Seejöchl beinhaltet immer wieder kurze fahrbare Abschnitte, so dass man recht bald das Joch erreicht hat. Es drängt sich fast der Gedanke auf, dass der Trail unterhalb der Kalkkögel in umgekehrte Richtung, also vom Seejöchl zur Starkenburger Hütte, noch lohnenswerter ist. Dem steht nur der lange Anstieg durchs Senderstal und das lange Tragestück von der Adolf-Pichler-Hütte bis zum Seejöchl entgegen. Sei’s drum.

Beeindruckender Trail im Schatten der Kalkkögel
Beeindruckender Trail im Schatten der Kalkkögel
Teilweise fahrbar: Der Trail zum Seejöchl
Teilweise fahrbar: Der Trail zum Seejöchl

Wir haben uns im Nebel auf die Abfahrt vom Seejöchl gemacht. Der Trail ist zuerst eine üble Geröllhalde und wird dann vollständig fahrbar. Grobes alpines Gelände, aber auf jeden Falls spaßig. Höchstens S2 ist meine Einschätzung. Nach 600 Tiefenmetern erreicht man die Adolf-Pichler-Hütte und rollt gemütlich, zahlreiche E-Biker überholend, durchs Senderstal und schließlich über die Landesstraße nach Kematen. 

Von Kematen fährt man entweder am Innradweg zurück zum Ausgangspunkt. Oder man nimmt den Zug.

Ein grandioser Abschluss einer noch grandioseren Mehrtagestour durch Tirol!

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