Grand Combin Überschreitung West-Ost

Grand Combin Ueberschreitung

Grand Combin Überschreitung – von der Cabane de Valsorey nach Mauvoisin. Die Überschreitung des Grand Combin Massivs gehört zu den ausgewachsenen Unternehmungen in den Westalpen. Sie ist lang, wild und anspruchsvoll. Dafür wird man mit einem ausgefüllten Tourentag in einer eindrücklich schönen Umgebung belohnt. Die Grand Combin Überschreitung ist ein aufwändiges Unterfangen, weil das Massiv ziemlich abgelegen ist und es lange Distanzen zurückzulegen gilt. Die Tour ist nur bei sehr stabilem Wetter zu empfehlen.

"Die Grand Combin Überschreitung ist lang, wild und anspruchsvoll. Dafür wird man mit einem ausgefüllten Tourentag in einer eindrücklich schönen Umgebung belohnt."

Facts: Überschreitung Grand Combin von der Cabane de Valsorey nach Mauvoisin

Talort: Bourg-Saint-Pierre, Wallis, Schweiz
Ausgangspunkt: Cabane de Valsorey, 3032 m. Vom Dorfplatz in Bourg-Saint-Pierre gelangt man in knapp 5 Stunden zur Valsoreyhütte. Infos zum Hüttenzustieg > 
Höhenmeter: 1590 hm
Kilometer: 22,3 km
Höchster Punkt: 4313 m üNN
Dauer: Von der Valsoreyhütte bis zur Brücke bei P. 2042 m, wo rechts der Weg zur Cabane de Chanrion abzweigt, braucht man gut 13,5 Stunden. Bis zur Staumauer des Lac de Mauvoisin weitere 2,5 Stunden. Wir haben bis zur Staumauer insgesamt knapp über 15 Stunden gebraucht.
Transfer: Der Weg vom Ende des Wandersteigs bei P. 2042 m bis zur Staumauer ist elendig lang. Es gibt Taxi-Unternehmen, die eine Erlaubnis haben, Transferfahrten am Stausee entlang auszuführen. Ich würde anraten, mit einem Taxiunternehmen eine Abholung zu vereinbaren, um sich den langen Fußmarsch am See entlang zu sparen. taxi-des-combins.ch
GPX-Track: GPX-Track Download 
Karte: Swisstopo 1 : 50 000 Mont Blanc Grand Combin
Ausrüstung: Komplette Hochtouren-Ausrüstung, Seil, Pickel, Steigeisen, 3 Eisschrauben, 2-3 Bandschlingen, für das Abseilen ist mindestens ein 50 m-Seil notwendig.
Schwierigkeit: S / 4b. Anm.: Die Tour ist sehr lang und anspruchsvoll, da man sich über lange Zeit in sehr hochalpinem Gelände bewegt. Der Westgrat auf den Combin de Valsorey (Arête du Meitin) ist mit ZS / 3 bewertet. Der Grat ist recht gut mit Bohrhaken gesichert und mit Steinmännern markiert. Wenn man keinen Bohrhaken mehr findet, unbedingt zurücksteigen und den richtigen Weg suchen. Ab dem Combin de Valsorey geht es unschwierig auf den Combin de Grafeneire. Vor dem Combin de la Tsessette gilt es die Mur de la Côte zu überwinden. Das ist ein etwa 45 Grad steiler Firnhang, der bei blanken Verhältnissen etwas unangenehm werden kann und mit Eisschrauben abgesichert werden muss.
Abseilpiste: Ab dem Combin de la Tsessette ist eine Abseilpiste eingerichtet worden. Die Abseilpiste ist saniert und mit soliden, gut aussehenden Standplätzen eingerichtet. WICHTIG: Bei der zweiten Abseillänge (R2) darf man nicht in Fallinie nach unten abseilen! Sondern man hält sich in Abseilrichtung rechts und gelangt zu einer kleinen Kante mit einem Steinmann. Dort ist der nächste Stand! Auf der Valsoreyhütte liegt folgendes Topo der Abseilpiste auf.

Topo Abseilpiste Combin de la Tsessette
Topo Abseilpiste Combin de la Tsessette

Die Überschreitung des Grand Combin beginnt um 03:30 Uhr auf der Valsoreyhütte. Von der Hütte steigt zuerst über schrofiges Gelände nach NE auf und betritt dann den Glacier du Meitin. Der Gletscher ist mehr Schneefeld als Gletscher. Am Fuß eines steilen Couloirs, das vom Col du Meitin herunterzieht, quert man nach rechts und steigt dann recht steil über losen Schutt durch das Couloir bis zum Col du Meitin (3610 m). Am Col du Meitin beginnt der Westgrat, der Arête du Meitin. Der Grat hat drei Aufschwünge. Wichtig ist, dass man sich nicht in die Südflanke verirrt. Die Routenfindung ist etwas anspruchsvoll. Man findet jedoch immer wieder Steinmänner und Bohrhaken. Trifft man längere Zeit auf keine Bohrhaken, ist es besser, zurückzusteigen und den richtigen Weg zu suchen. Nach dem dritten Aufschwung gelangt man direkt auf den Gipfel des Combin de Valsorey, 4184 m (ca. 4-5 Std. ab Hütte).

Grand Combin Überschreitung
Morgenstimmung von dem Wetterumschwung
Arete du Meitin
Am Meitin-Grat
Grand Combin Überschreitung - Gipfel Combin de Valsorey
Whiteout am Gipfel des Combin de Valsorey, 4184 m

Drei Viertausender auf einen Schlag

Vom Combin de Valsorey geht man unschwierig über den flachen Gletscher zum Combin de Grafeneire, 4314 m. Weiter zur Aguille de Croissant (4260 m) und zum Beginn der Mur de la Côte. Die Mur de la Côte ist ein ca. 80 m hoher Steilhang, der bei Blankeis durchaus unangenehm werden kann. Dann ist es notwendig, den Abstieg mit 2-3 Eisschrauben abzusichern. Danach geht es flach über einen Firnbuckel zum Combin de la Tsessette, 4135 m.

Der lange Weg bis Mauvoisin

Am Combin de la Tsessette hat man maximal die Hälfte der Tour geschafft. Wenn hier das Wetter schlechter wird oder man kräftemäßig am Limit ist, sollte man besser umkehren und wieder zu Valsoreyhütte absteigen.

Vom Combin de la Tsessette steigt man zunächst den SE-Grat (Arête de Boussine) ab bis zu einem markanten Steinmann. Dort beginnt die 2017 von Marco Bruchez und Vincent May neu eingerichtete Abseilpiste (siehe Topo oben). Die Abseilpiste umfasst acht Seillängen mit bis zu 25 Metern. Die Abseilstände sind gebohrt und machen einen sehr soliden Eindruck. Die Stände sind meist gut zu finden. Aufpassen muss man bei R2. Hier nicht in der Falllinie abseilen sondern in Abseilrichtung deutlich rechts halten. Auf einem Absatz ist ein Steinmann, dort befindet sich der nächste Stand. Die Abseilfahrten sind teils sehr luftig und überhängend.

Begin Abseilpiste Combin de la Tsessette
Begin Abseilpiste Combin de la Tsessette

Am Ende der Abseilpiste quert man 15 Meter bis zum Beginn des Schneegrats. Diesem Grat folgt man ohne große Schwierigkeiten bis zum Gipfel der Tour de Boussine (3833 m). Vom Gipfel steigt man weiter  den Ostgrat ab bis zu P. 3384 m. Dort sieht man dann schon einen Steig, der durch viel Schutt in der Südflanke hinab bis zum Glacier de Boussine führt. Auch wenn es nicht so aussieht, der Abstieg ist leicht und nicht steinschlaggefährdet. 

Unschwieriger Übergang zum Tour de Boussine
Unschwieriger Übergang zum Tour de Boussine
Über die Schuttflanke hinab zum Glacier de Boussine
Über die Schuttflanke hinab zum Glacier de Boussine

Nun geht man auf dem spaltenarmen Glacier de Boussine in Richtung dessen Ende. Kurz vor dem Ende der Gletscherzunge wendet man sich nach gegen den Punkt P. 3008. Von dort führt ein Couloir nach unten. Auf dem Schuttfeld steigt man ab, bis zu den Almwiesen von Brédiet und schließlich zum Wanderweg. Dem Wanderweg folgt man in Südöstlicher Richtung und gelangt schließlich zum Zufahrtsweg zur Cabane de Chanrion (Brücke bei P. 2042 m). 

Endlich: Der Lac de Mauvoisin
Endlich: Der Lac de Mauvoisin

Wer denkt, das war es jetzt, irrt gewaltig. Denn nun gilt es bis zur Staumauer noch 2,5 Stunden am Westufer des Lac de Mauvoisin entlang zu marschieren. Ein sehr mühsames Unterfangen! Wie oben in den Facts beschrieben, gibt es Taxi-Unternehmen, welche die Strecke am See befahren dürfen. Ohne Taxi-Transfer schafft man auch nicht den letzten Bus um 17.15 Uhr ab Mauvoisin. 

In Mauvoisin gibt es nur eine Unterkunft, das Hôtel de Mauvoisin. Dort muss man gerade zur Hochsaison aber unbedingt reservieren. Eine andere, allerdings kostspielige, Option ist der Taxitransfer von der Staumauer zurück zum Ausgangspunkt nach Bourg-Saint-Pierre. Kostenpunkt: ca. CHF 200,00.

Fazit: Die Grand Combin Überschreitung gehört mit Sicherheit zu den großen Touren der Westalpen. Wegen der Abgelegenheit des Massivs ist die Überschreitung aber mit einem nicht unerheblichen logistischen Aufwand verbunden. Die Distanzen, die zurückgelegt werden müssen, haben es auch in sich. Von der Cabane de Valsorey bis zur Staumauer des Lac de Mauvoisin sind es über 22 Kilometer. Das heißt, sowohl Wetter für einen ganzen Tag als auch die persönliche Fitness müssen passen. Falls das alles zutrifft und man es vielleicht auch schafft, einen Taxitransfer am Lac de Mauvoisin zu organisieren, steht einer wunderbaren Tour nichts im Wege!

Leider hat uns eine morgendliche Schlechtwetterfront geplagt und während der gesamten Überschreitung der Gipfel begleitet. Erst nach der Abseilstrecke und beim Abstieg zur Tour de Boussine wurde das Wetter besser 🙂

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